Zukunftsstiftung Remstal

Beweidung mit Schafen auf Weinbergbrachen und Streuobstwiesen

Die Zukunftsstiftung hat u.a. in Beutelsbach erste Weinbergbrachen langfristig von Privatpersonen gepachtet und die Beweidung mit einer Herde Kamerunschafe begonnen. Mit der Beweidung stellen wir sicher, dass die brachliegenden Flächen, auf denen die Weinreben bereits gerodet wurden, nicht verbuschen und von ihren Besitzern nicht gemäht werden müssen. Die Biodiversität auf beweideten Flächen nimmt zu. Die Zukunftsstiftung wird die beweideten Flächen monitoren und ihren Zustand dokumentieren. Es ist unser Ziel, die Beweidung deutlich auszubauen, auch in anderen Kommunen.

Beweidung mit Schafen auf Weinbergbrachen und Streuobstwiesen

Ein zu hoher Kupfergehalt im Gras der brachgefallenen Flächen, der durch den Einsatz von Spritzmitteln im Wengert entstehen kann, kann für die Gesundheit der Schafe kritisch sein. Deshalb ist es notwendig, zum Schutz der Tiere und der Tierhalter vor dem Start der Beweidung an verschiedenen Stellen Grasproben zu entnehmen und diese auf ihren Kupfergehalt analysieren zu lassen. Insgesamt vier Proben Grünlandschnitt, an verschiedenen Stellen entnommen, wurden zur Analyse bei der LKS (Landwirtschaftliche Kommunikations- und Servicegesellschaft, Niederwiesa) in Auftrag gegeben. Die Werte, gemessen in Milligramm Kupfer je Kilogramm Trockensubstanz (mg Cu/kg TS), lagen deutlich unter dem futtermittelrechtlichen Höchstgehalt für Schafe mit 15 mg Cu/kg TS.

Partner der Zukunftsstiftung Remstal ist hier der Schäfereibetrieb Marc Schaneng aus Korb-Kleinheppach, der eine Herde von Kamerunschafen mit rund 80 Tieren hält. Nachdem zwei Streuobstwiesen neben der Straße von Beutelsbach zum Schönbühl hoch mit einer Fläche von 24 Ar beweidet waren, startete am 22. Mai die Beweidung der Weinbergbrachen in den Beutelsbacher Gewannen Dienthalen und Kaiser mit zusammen rund 70 Ar Fläche.

Interview mit Schäfer Marc Schaneng

Ihre ersten Koppelweideprojekte hat die ZR im Sommer 2026 zusammen mit dem Schäfer Marc Schaneng aus Kleinheppach auf den Weg gebracht. Er hält seit 10 Jahren Kamerunschafe. Eine kleine Bock-Herde hat zwei unserer Streuobstwiesen abgeweidet, eine größere Muttertier-Herde war auf steilen, brachliegenden Weinbergflächen unterwegs.

In einem Gespräch mit Marc Schaneng haben Karin Siglinger (Foto) und Anne Holtkötter von der ZR nach seinen Erfahrungen gefragt.
In einem Gespräch mit Marc Schaneng haben Karin Siglinger (Foto) und Anne Holtkötter von der ZR nach seinen Erfahrungen gefragt.

Marc ist gelernter Landmaschinenmechaniker, aufgewachsen auf dem Hof seiner Großeltern in Kleinheppach. Hauptberuflich arbeitet er in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Nebenbei hat er daheim eine eigene kleine Landwirtschaft mit Ackerbau, Grünland und Schafhaltung. Mit Anfang 20 übernahm er zunächst 10 Kamerunschafe. Später kamen noch Barbados Blackbelly-Schafe dazu. Inzwischen ist seine Herde durch Zukauf und Zucht auf 80 Tiere angewachsen. Mit ihr wuchs ganz offensichtlich auch seine Begeisterung für diese Tiere, die von seiner Freundin und seiner Mutter geteilt wird. Denn auf deren Unterstützung ist er bei der Schäferei angewiesen. Nicht nur, dass die braun und/oder schwarz gezeichneten oder auch gescheckten, kurzhaarigen Schafe ausgesprochen hübsch sind – sie sind auch robust und genügsam, betont Marc. Und sie müssen als Haarschafe im Gegensatz zu Wollschafen nicht geschoren werden. In Zeiten, in denen sich Schafwolle kaum noch vermarkten lässt, erspart das viel Arbeit. Die Tiere bleiben bei der Beweidung von Streuobstwiesen auch nicht in den allgegenwärtigen Brombeeren hängen – und sie kommen, wie sich in diesem Hitzesommer erwiesen hat, gut mit afrikanisch hohen Temperaturen klar, genau wie mit Frost im Winter. Seit „Shaun das Schaf“ und Miss Maple alias Lily aus dem Schafskrimi „Glennkill“ zu Medienstars geworden sind, wissen wir zwar alle, dass Schafe kluge Tiere sind, aber wie sensibel sie sind, weiß Marc aus eigener Erfahrung. „Mit schlechter Laune brauche ich meinen Schafen gar nicht erst zu kommen - das merken sie gleich und verziehen sich.“

Andererseits: Wenn der Schäfer nach anstrengender Arbeit im Hauptberuf am Nachmittag zur Weide kommt, um nach dem Rechten zu sehen, die Schafe zu füttern, Wasser und Zaun zu kontrollieren, sich hinsetzt und ein bisschen Zeit nimmt, dann scharen sie sich um ihn, genießen ein paar Streicheleinheiten und helfen ihm beim Abschalten. „Man fährt gut runter!“ Ob man daraus ein After-Work Angebot für gestresste Manager entwickeln könnte, hat er bisher nicht überlegt. Jedenfalls hat man vor Ort auf der Weide unbedingt den Eindruck, dass die Schafe ihren Schäfer mögen – und umgekehrt. „Ich mache das gern und will auch weiterhin, dass ich es gern mache.“, sagt er entschieden.

Nicht ohne Stolz berichtet Marc, dass laut Aussage von Nachbarn und Spaziergängern die Schafe sein Auto schon aus der Ferne erkennen und ihm entgegenlaufen. Wenn er seinen Anhänger dabei hat, weil die Fläche abgegrast ist und die Tiere auf eine neue Weide umziehen müssen, laufen sie von selbst hinein, weil sie offenbar wissen, dass es bald frisches Grün gibt. Die Weideflächen findet er überwiegend im Remstal, er beweidet für Privatpersonen, erhält aber auch Aufträge von Kommunen.

Marc ist kein Schaf-Romantiker. Natürlich muss er auch kalkulieren, wenn er über die Vergrößerung seiner Herde auf vielleicht 120 Tiere nachdenkt. Es geht um Zeit und Geld, das er z.B. in Futter, den regelmäßigen Austausch der Zuchtböcke, in Tierarztbesuche, Klauenpflege, den sorgfältigen Aufbau und die tägliche Kontrolle der Elektrozäune und Sonnensegel investieren muss. Eine weitere Aufgabe ist die Nachpflege beweideter Flächen: Disteln und Dornen lassen die Schafe stehen, die mögen sie nicht. Alle 3 Jahre muss er die Koppeln nachmulchen.

Schließlich legt Marc auch Wert darauf, dass die Schafe nach einem möglichst guten Leben einen möglichst guten Tod haben. Entsprechend hat er den Schlachter ausgesucht. Das Fleisch der Kamerunschafe erfreut sich großer Beliebtheit, der Geschmack liege irgendwo zwischen Rind und Reh, gar nicht „bockig“, das liege am Fettsiedepunkt, erklärt er.

Den Winter verbringen die Schafe im Stall, können (und wollen) aber auch dann raus. Im Stall werden im Frühjahr die Lämmer geboren. Mittels Kameraüberwachung kann Marc sehen, ob alles glattgeht und notfalls eingreifen.

Auf die abschließende Frage, ob er sich vorstellen kann, auch 2027 wieder mit seinen Kamerunschafen für die Zukunftsstiftung Flächen im Remstal zu beweiden, antwortet Marc sehr positiv. Es habe ihm gefallen, wie gut alles organisiert war, angefangen damit, dass die ZR die vorgesehene Weinbergfläche auf Kupfer hat untersuchen lassen. Im Weinbau wird Kupfer gespritzt, und das kann für Schafe, die dort weiden, in zu hoher Konzentration lebensgefährlich sein. Auf die Gesundheit seiner Tiere legt er großen Wert, auch darauf, dass seine Herde frei von dem für Schafe lebensbedrohlichen Maedi Visna Virus bleibt. Überrascht war er, wie gut die Kamerunschafe mit den heißen Sommertagen im Weinberg klargekommen sind. Zwar sorgt er durch das Aufstellen von Sonnensegeln immer für Schatten, trotzdem war er erstaunt, dass er die Tiere nie hechelnd und mit hängenden Köpfen angetroffen hat. Auf Streuobstwiesen gibt es naturgemäß mehr Schatten.

Marc Schaneng, Mufasa und seine Herde in den Streuobstwiesen.
Marc Schaneng, Mufasa und seine Herde in den Streuobstwiesen.

Apropos Streuobst: Auf die Frage, ob seine Schafe Namen haben, erzählt Marc die Geschichte von Mufasa. Den Namen des Löwenkönigs erhielt der Schafbock wegen seiner ungewöhnlichen Mähne. Besondere Aufmerksamkeit erlangte er aus anderem Grund. Männliche Kamerunschafe tragen nach hinten gebogene Hörner. Marc hatte sich gewundert, dass auf einer Streuobstwiese immer wieder Äpfel am Boden lagen, an denen die Schafe sich gütlich taten. Bis er beobachtete, wie Mufasa Anlauf nahm und gezielt den Stamm eines Apfelbaumes rammte. Die umstehenden anderen Schafe hatten nur abgewartet, dass die Früchte zu Boden fielen. Wie gesagt: Schafe sind nicht blöd! Nicht nur deshalb freuen wir uns bei der Zukunftsstiftung auf eine weitere Zusammenarbeit mit Marc und seinem Weideteam.

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