Zukunftsstiftung Remstal

Aus Gestrüpp wird wieder Lebensraum

Mit einem zweiten Pilotprojekt zur Beweidung ging die ZR am 21.07.26 an den Start: 24 Burenziegen des Biobetriebes von Julian Nirschl aus Aichwald bezogen für 4 Wochen ihr neues Weidequartier, eine ca. 30 Ar große Streuobstfläche bei Schnait.

Aus Gestrüpp wird wieder Lebensraum

Die Streuobstwiese war seit ca. 15 Jahren nicht mehr in Bewirtschaftung und z.T. meterhoch mit Brombeeren überwuchert. Die einst blühende Wiese mit hoher Biodiversität wurde im Laufe der Jahre durch die Brombeeren total verschattet, die Bäume waren sich selbst überlassen und verschwanden zunehmend im Gestrüpp – was einst eine wertvolle Kulturlandschaft war, drohte langsam unterzugehen.

An dornröschenhaften Orten wie diesen laufen die vierbeinigen Landschaftspfleger zu großer Form auf: Sie decken ihren Futterbedarf vorzugsweise mit Blättern, Gehölztrieben und Jungrinde, wobei sie durch ihre Tritte regelrechte Schneisen ins Unterholz schlagen. Dabei hilft ihnen auch die Fähigkeit, Gehölze bis in 2 Meter Höhe zu verbeißen, indem sie sich auf die Hinterbeine stellen. So werden verdichtete Bereiche lichtdurchlässig und auch für den Betrachter von außen einsehbar.

Verholzte Alttriebe von Brombeeren werden allerdings verschmäht, so dass auf die Erstpflege durch Ziegen eine maschinelle Nachpflege folgen soll, z.B. mit einem funkgesteuerten Forstmulcher. Der Bediener hat nun den Vorteil, dass er Einsicht in den Bestand nehmen kann und so auf etwaige Hindernisse wie Baumstümpfe, liegendes Totholz und illegal entsorgten Müll rechtzeitig reagieren kann, denn die Arbeitswerkzeuge sind empfindlich und ein Ersatz verursacht hohe Kosten.

Den Brombeeren ist mit diesen ersten Pfegemaßnahmen noch lange nicht der Garaus gemacht. Sie werden wieder austreiben, dann aber in ihrer Entwicklung verzögert und geschwächt. Und wenn dann Capuccino, die Leitziege der Nirschl-Herde, und ihr Gefolge je nach Witterung diesen Spätherbst oder nächstes Frühjahr wieder angreifen, kann sich langsam erneut eine Blühwiese entwickeln als wichtiger Bestandteil des Ökosystems Streuobstwiese.

Der alte Baumbestand dieser Fläche, darunter zwei riesige ca. 80 Jahre alte Birnbäume, bekommt durch diese Freilegungsmaßnahmen wieder Luft und kann behutsam ausgelichtet werden, was den Neuaustrieb anregt. Dabei werden auch bruchgefährdete Äste und Totholz entfernt unter größtmöglicher Rücksicht auf Nisthöhlen und sonstige Habitate.

Vor und nach der Beweidung: Julians Ziegen haben ganze Arbeit geleistet.
Vor und nach der Beweidung: Julians Ziegen haben ganze Arbeit geleistet.

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